Wie ist das, darf ich überhaupt Wildkräuter sammeln?

Ein Überblick über die gesetzliche Lage.

Deutschland ist ein sehr dicht besiedeltes Land. Und als solches sind gesellschaftliche Regelungen durchaus sinnvoll, besonders was die ohnehin schon stark zurückgedrängte Natur angeht. Zwar ist die starke Abnahme der Artenvielfalt nicht den Wildkräutersammlern geschuldet (sondern vielmehr der Lebensraumzerstörung durch konventionelle Landwirtschaft), nichtsdestotrotz macht eine Regelung der privaten Entnahme zunächsteinmal Sinn.


Doch wie ist das nun, darf ich überhaupt Pflanzen pflücken? Oder mache ich mich da strafbar?


 

Das BMU (Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit) sagt dazu folgendes:

Der allgemeine Artenschutz gilt damit gleichmäßig für alle Pflanzenarten, unabhängig von ihrem Schutzstatus. Es handelt sich dabei somit um einen Mindestschutz. Damit ist die Entnahme von Pflanzen grundsätzlich verboten.

Uff. In Ordnung. Also ist das Kräutersammeln für den Eigenbedarf doch verboten?

Zum Glück nicht ganz. Denn die meisten Pflanzen sind von dieser Regelung ausdrücklich ausgenommen. Pflanzen, welche nicht ausgenommen sind (sprich, bei denen das Verbot weiterhin aktiv ist) , sind:

  • Alle Pflanzen in Naturschutzgebieten (dort z.B. nicht einmal den Löwenzahn)
  • Geschützte Pflanzen (zu finden in Anhängen A oder B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates vom 9. Dezember 1996 über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels, den Pflanzen in Anhang IV der Richtlinie 92/43/EWG und den nach Anlage 1 zur Bundesartenschutzverordnung geschützten Pflanzen)

Doch woher weiss ich jetzt, ob eine Pflanze geschützt ist oder nicht? Nun, viele der geschützten Pflanzen haben für uns Kräutersammler ohnehin keinen großen Wert, da sie oft giftig oder ohne besondere kulinarische Eigenschaften sind wie Z.B Blaustern, Eisenhut, Krokusse, Küchenschellen, Narzissen, Orchideen, Schachblumen, Schwertlilien, Tulpen und Enziane und die meisten Farne.

Um sicherzugehen, empfehlen wir die Seite Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz .

Dort erhaltet ihr nähere Infos, ob die Art geschützt ist oder nicht.


Und wieviel darf ich sammeln?


Deutschland ist schon ein witziges Land. Alles ist geregelt. So auch natürlich dies. Der Gesetzgeber sagt dazu im Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG)
§ 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen, Absatz 3:

Jeder darf abweichend von Absatz 1 Nummer 2 wild lebende Blumen, Gräser, Farne, Moose, Flechten, Früchte, Pilze, Tee- und Heilkräuter sowie Zweige wild lebender Pflanzen aus der Natur an Stellen, die keinem Betretungsverbot unterliegen, in geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen.

Diese „Handstraußregelung“ besagt also, dass geringe Mengen entnommen werden dürfen. Als Richtlinie kann man die Menge ansehen, die man in einer Hand mit Daumen und Mittelfinger umfassen kann. Basketballspieler sind hier klar im Vorteil.

Was der Gesetzgeber hier versucht deutlich zu machen, ist folgendes: Nimm nicht so viel, die anderen wollen auch. Und ausserdem muss sich der Bestand ja auch wieder regenerieren. Also: pflücke immer achtsam und nachhaltig. Pflücke am besten nur ein paar Blätter einer Pflanze, sodass diese sich regenerieren kann. Und niemals allein stehende Exemplare mitnehmen. Willst du das ganze gewerblich machen (also z.B. auf Märkten Bärlauchpesto verkaufen), brauchst du eine Genehmigung. Denn sobald du das gewerblich machst, entnimmst du ja keine geringen Mengen mehr.

Fazit:

Die meisten interessanten Wildkräuter darfst du getrost pflücken. Bestimme die Art und schaue auf der oben genannten Webseite nach und du bist auf der sicheren Seite. Und: schalte deinen gesunden Menschenverstand ein. Wenn du einen winzigen Bärlauchbestand mit 3 Pflänzchen findest, solltest du ihn lieber stehen lassen, auch wenn du dürftest. Und wenn du vor einer riesigen Fettwiese mit einer Million Löwenzahnpflanzen stehst, kannst du bestimmt auch zwei Sträuße mitnehmen…

PS: Invasive Arten (also nicht-heimische Arten, welche heimische Arten verdrängen) sind manchmal von der Handstrauß – Regelung ausgenommen und du leistest einen Beitrag zum Naturschutz, wenn du sie in Massen sammelst. Informiere dich bei der zuständigen Naturschutzbehörde!